Richtlinie für Personenschutzausrüstung [PPE] & Europäische Normen

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Richtlinie für Personenschutzausrüstung [PPE]

Gemäß der englischen Verordnung “Personal Protective Equipment at Work” (SI1992/2966) müssen Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) bereitstellen. Schutzhandschuhe der Klasse PSA müssen das CE-Gütezeichen tragen.

 

Um die Auswahl von PSA zu erleichtern, ist Sicherheitsausstattung gemäß der Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung (89/686/EWG) in Kategorien eingeteilt. Beachten Sie bitte, dass die PSA-Richtlinie 89/686/EWG mittlerweile durch die Richtlinie 93/95/EWG sowie die Richtlinien für CE-Kennzeichnung 93/68/EWG und 95/58/EWG geändert wurde. Diese Kategorisierung ermöglicht die Auswahl geeigneter PSA entsprechend den Gefahren und Risiken, die identifiziert werden. Außerdem werden die Eigenschaften von Schutzhandschuhen durch eine Reihe einschlägiger europäischer Normen beschrieben, und die Handschuhe müssen diesen gerecht werden. Es gibt drei Risikokategorien für PSA: geringes Risiko, mittleres Risiko und hohes Risiko.

Handschuhe für geringes Risiko können verwendet werden, wenn der Endbenutzer die Gefahren und das erforderliche Schutzniveau identifizieren kann und wenn die Auswirkungen der Gefahren nach und nach auftreten und rechtzeitig festgestellt werden können. Beispiele für diese Kategorie: Gartenhandschuhe, Schutz gegen Hitze (max. 50°C) und Schutz gegen leichte Stöße und Schwingungen.

Handschuhe für mittleres Risiko sind zum Beispiel Handschuhe für allgemeine Handhabung, die eine gute Beständigkeit gegen Schnitte, Durchstechen und Abrieb aufweisen. Sie müssen durch eine gemeldete Stelle unabhängig geprüft und zertifiziert werden. Nur anerkannte Organisationen dürfen ein CE-Zeichen vergeben. Ohne dieses Zeichen dürfen die Handschuhe nicht verkauft werden.

Handschuhe für hohes Risiko schützen gegen Gefahren, die schwere und irreversible Gesundheitsschäden verursachen können und deren Auswirkungen der Endbenutzer nicht rechtzeitig identifizieren kann. Dazu gehören: Schutz gegen Chemikalien oder ionisierende Strahlung, Schutz gegen Wärme (Temperatur über 100°C, Schutz gegen Kälte (Temperatur unter -50°C) und Schutz gegen elektrische Risiken (z.B. Hochspannung). 

Handschuhe jeder dieser Kategorien müssen den grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen der PSA-Richtlinie gerecht werden. Es wurden europäische Normen entwickeln, um Handschuhe für mittlere und hohe Risiken beurteilen zu können.

Alle Handschuhe müssen den Allgemeinen Anforderungen für Handschuhe nach EN420 gerecht werden. Weitere Normen betreffen spezifische Risikoarten. Die Normen schaffen ein System, um die Leistung des Handschuhs zu beurteilen. Anhand von Piktogrammen kann die Gefahr identifiziert werden.

 

EUROPÄISCHE NORMEN (EN)

EUROPÄISCHE NORMEN (EN)

ALLGEMEINE ANFORDERUNGEN DER NORM EN420

EN420 definiert die allgemeinen Anforderungen für die meisten Arten von Schutzhandschuhen:

» Produkt und Verpackungsinformationen und Kennzeichnung

» Design und Ausführung

» Größen

» Harmlosigkeit

» Reinigungsanweisungen

» Geschicklichkeit

» Übertragung und Absorption von Wasserdampf

» Elektrostatische Eigenschaften

MECHANISCHE RISIKEN (EN388)

Stufe

a)

Abriebfestigkeit

0 - 4
b)

Schnittfestigkeit

0 - 5
c)

Reißfestigkeit

0 - 4
d)

Durchstechfestigkeit

0 - 4

abcd

CHEMIKALIEN UND MIKROORGANISMEN (EN374)

Stufe

Beständigkeit gegen chemische Risiken
(Permeation)
1 - 6

abc

Das Piktogramm Handschuh mit geringer Chemikalienfestigkeit und Wasserfestigkeit muss für Handschuhe verwendet werden, die keine Durchbruchzeit von wenigstens 30 Minuten (siehe Seite 5) gegen mindestens drei Chemikalien aus der definierten Liste (siehe Seite 5) erreichen aber den Penetrationstest bestehen.

Stufe

Beständigkeit gegen Organismen.
Wird als AQL (Annehmbarer Qualitätslevel) bezeichnet. Das Piktogramm wird verwendet, wenn der Handschuh wenigstens der Leistungsstufe 2 im Penetrationstest entspricht.
1 - 3

abcd

KÄLTESCHUTZ EN511

Stufe

a)

Beständigkeit gegen Konvektionskälte

0 - 4
b)

Beständigkeit gegen Kontaktkälte

0 - 4
c)

Wasserundurchlässigkeit

0 - 1

abc

HITZERISIKEN (HITZE/FEUER) EN407

abcdef

Stufe

a)

Brennverhalten

0 - 4
b)

Kontakthitze

0 - 4
c)

Konvektionshitze

0 - 4
d)

Strahlungshitze

0 - 4
e)

Kleine Spritzer geschmolzenen Metalls

0 - 4
f)

Große Spritzer geschmolzenen Metalls

0 - 4

Je höher die Wertung desto besser die Leistung.
0 bedeutet Fehlschlag, X bedeutet, dass kein Versuch durchgeführt wurde.

 

Laborversuche

EN420 Allgemeine Anforderungen für Schutzhandschuhe
Diese Norm umfasst Versuche hinsichtlich Handschuhabmessungen, Geschicklichkeit und Allergene. Beispielsweise darf der Anteil an Chrom VI in Lederhandschuhen maximal 2 mg/kg betragen. Handschuhe müssen neutral gegenüber Hautkontakt sein.

 

EN388
Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

 

Folgende Ausrüstung wird verwendet, um die Handschuheigenschaften laut Norm EN388 zu beurteilen.

Ein Martindale-Verschleiß- und Abriebprüfgerät wird verwen det, um die Abriebfestigkeit zu messen. Bei dem Versuch werden Proben aus der Handfläche der Handschuhe gegen ein Standardglaspapier gerieben, bis in einer der Proben ein Loch entsteht. Anhand der Anzahl der Abriebzyklen wird die Leistung beurteilt.

Ein Sodemat-Schnittprüfgerät wird verwendet, um die Schnittfestigkeit zu messen. Bei dem Versuch werden ausgeschnittene Proben des Handschuhs in einen Rahmen platziert, so dass eine kreisförmige, gegenlaufende Schneide durch das Handschuhmaterial schneiden kann. Die Anzahl der Zyklen, die die Schneide dafür benötigt, wird aufgezeichnet. Durch Vergleich mit der Anzahl der Zyklen zum Durchschneiden eines Standard-Referenzmaterials werden die Werte in einen Schneideindex umgesetzt. Die Leistungsstufen werden gemäß dem Schneideindex festgelegt.

LEISTUNGSSTUFE

1 2 3 4 5

Abriebzyklen

100 500 2000 8000 n/a

Schneideindex

1.2 2.5 5 10 20

Reißkraft (N)

10 25 50 75 n/a

Perforationskraft (N)

20 60 100 150 n/a

 

Perforations- und Reißkraft werden mit einem Dehnungsmesser gemessen.

Die Punktionsfestigkeit ist die Kraft, die nötig ist, um Hand schuhproben mit einer Standardpunktionsnadel zu durchstechen. (Hinweis: Die Nadel hat die Form eines großen Nagels, und die in diesem Versuch ermittelte Punktionsfestigkeit ist nicht vergleichbar mit einer Punktion durch eine hypodermische Nadel.)

Die Reißfestigkeit ist die Kraft, die nötig ist, um Proben des Handschuhs, die die Form einer Hose haben, zu zerreißen. (Dieser Versuch wird auch als Hosenreißversuch bezeichnet.) Die Beine der Hosenproben werden auseinander gezogen, und maximale Kraft wird angewendet, um die Reißfestigkeit des Materials zu beurteilen.

 

EN374-2
Ermittlung der Penetrationsfestigkeit gegen Wasser

 

Dies ist der Referenzversuch gemäß der europäischen Norm zur Beurteilung der Handschuhqualität. Handschuhe müssen diesen Versuch bestehen, um zu belegen, dass sie eine wirksame Barriere gegen Flüssigkeiten und Mikroorganismen bieten.

Eine statistische Probe aus einem Handschuhlos wird Prüfungen auf Nadelstiche und Lecks durch Aufblasen mit Luft oder Füllen mit Wasser unterzogen. Die Leistungsstufen werden gemäß den annehmbaren Qualitätslevels (AQL) der Handschuhe beurteilt.

LEISTUNGSSTUFE

2 3

AQL

1.5 0.65

 

 

 

 

EN374-3
Ermittlung der Penetrationsfestigkeit gegen Chemikalien

 

Um die Penetrationsfestigkeit zu bestimmen, wird die Zeit gemessen, die eine Chemikalie braucht, um durch das
Handschuhmaterial zu dringen. Proben aus den Handflächen der Handschuhe werden in eine Permeationszelle platziert, die es erlaubt, die Chemikalie mit der äußeren Oberfl äche der Handschuhe in Kontakt zu bringen. Luft oder Wasser wird durch die Zelle geführt, um den Anteil der Chemikalie, der durch die innere Oberfläche gedrungen ist, zu erfassen.

Das Handschuhpiktogramme “Chemikalienbeständig” wird durch einen dreistelligen Code ergänzt, der auf die Codes von 3 Chemikalien (aus einer Liste von 12 definierten Standardchemikalien) verweist, für die eine Durchbruchzeit von wenigstens 30 Minuten erreicht wurde.

 

CODE

CHEMIKALIE

CAS-NUMMER

KLASSE

A

Methanol

67-56-1

Primäralkohol

B

Aceton

67-64-1

Keton

C

Acetonitril

75-05-8

Verbindung auf Nitrilbasis

D

Dichlormethan

75-09-2

Chlorparaffin

E

Schwefelkohlenstoff

75-15-0

Organische, schwefelhaltige Verbindung

F

Toluen

108-88-3

Aromatischer Kohlenwasserstoff

G

Diethylamin

109-89-7

Amin

H

Tetrahydrofuran

109-99-9

Heterozyklische Verbindung auf Etherbasis à base d’éther

I

Ethylacetat

141-78-6

Ester

J

n-Heptan

142-85-5

Gesättigter Kohlenwasserstoff

K

Natriumhydroxid 40%

1310-73-2

Anorganische Base

L

Schwefelsäure 96%

7664-93-9

Anorganische Mineralsäure

 

LEISTUNGSSTUFE

1 2 3 4 5 6

Durchbruchzeit (Min.)

>10 >30 >60 >120 >240 >480

 

 

 

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